Foto: ©DIhar Ulashchyk_fotolia

Ich möchte ich Dir mal wieder eine ganz wichtige Protagonistin vorstellen, die sowohl für Dich als Frau, wie für Dich als Mann eine Hauptrolle in Eurem Kinderwunsch spielt. Es ist das Hormon Östrogen.

Östrogen gehört zu den wichtigsten weiblichen Sexualhormonen, wobei es auch von Männern produziert und benötigt wird. Vielleicht kennst Du das Östrogen im Zusammenhang mit einer Diagnose wie dem „Östrogenmangel“ oder der „Östrogendominanz“.

Sowohl der Östrogenmangel, als auch die Östrogendominanz sind häufige Diagnosen, die dem Kinderwunsch entgegenstehen. Da das Thema so umfangreich ist, habe ich ihm zwei Artikel gewidmet. Dieser beschäftigt sich mit dem Östrogenmangel. Mehr zum Thema Östrogendominanz erwartet dich in Kürze. Doch lass uns zu allererst dieses faszinierende und wichtige Hormon generell beleuten.

Einfachheitshalber spreche ich von Östrogen, aber genauer genommen, ist es eine ganze Hormongruppe, bestehend u.a. aus Östradiol, Östron und Östriol.
Östrogen wird in den Sexualorganen gebildet, also bei der Frau zum großen Teil in den Eierstöcken, bei den Männern in den Hoden. Ein anderer Teil des Östrogens wird sowohl im Darm als auch im Fettgewebe produziert.

Als Mann brauchst Du Östrogen, z.B. für Deinen Knochenstoffwechsel, Deine Blutgefäße aber auch für eine gesunde Prostata und für die Fortpflanzung. So spielt es eine Rolle bei der Entwicklung der Spermien und erhöht Deine Libido.

Auch bei Dir als Frau wirkt sich Östrogen auf Deinen Knochenstoffwechsel aus und sorgt dafür, dass Deine Knochen fest werden. Ein Mangel an Östrogen, der klassischerweise in den Wechseljahren auftritt, fördert u.a. den Knochenabbau und damit Osteoporose.

Östrogen hat als eines der wichtigsten weiblichen Sexualhormonen eine große Aufgabe in Deinem Zyklusgeschehen und für Deine weibliche Gesundheit. Ab der Pubertät sorgt es für die Entstehung der weiblichen Figur, lässt die Brüste wachsen und  formt die typisch weibliche Birnenform mit einem breiteren Becken, einen runden Po und wohl geformten Oberschenkeln.

Männer wie Frauen haben je nach Alter einen bestimmten Basis-Östrogenspiegel. Doch bei Dir als Frau steigt dieser Spiegel je nach Zyklusphase deutlich an.

Östrogen ist das Hormon, das in der ersten Zyklushälfte dominiert. Es sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut wird und bereitet den Eisprung vor.

Ab dem Eisprung wird es dann vom „Babyhormon Progesteron“ ( s. auch meinen Artikel dazu) abgelöst und sinkt wieder auf „Normalniveau“. Genau dieses Wechselspiel aus Östrogen und Progesteron ist so wesentlich für einen gesunden und fruchtbaren weiblichen Körper. Wenn nur eines dieser beiden Hormone zu gering oder zu viel vorhanden ist, kommt alles aus dem Gleichgewicht. Um dieses Gleichgewicht wieder herzustellen, ist es natürlich wichtig, vorerst zu wissen, wo genau die Ursache für das Ungleichgewicht liegt und was überhaupt zu viel und was zu wenig vorhanden ist.

Mit einer Blutanalyse durch Deine Ärztin bzw. Deinen Arzt lässt sich herausfinden, welches Hormon in welcher Menge vorhanden ist. Somit kann ein Östrogenmangel oder auch eine Östrogendominanz diagnostiziert werden.

Eine Östrogendominanz heißt jedoch nicht automatisch, dass Dein Körper zu viel an Östrogen produziert. Das ist eher seltener der Fall, wie Du im Artikel zur Östrogendominanz lesen wirst. Wenn Du mehr zum Thema Progesteronmangel erfahren möchtest, lies Dir gerne meinen Artikel „Progesteron – mehr als ein Babyhormon Teil 2“.

Bei einem Östrogenmangel produziert Dein Körper zu wenig von diesem wichtigen weiblichen Sexualhormon und damit ist v.a. der wichtige Prozess in der ersten Zyklushälfte gestört.

Ohne ausreichend Östrogen können die Eizellen nicht richtig heranreifen und es findet kein Eisprung statt. Auch wird zu wenig Zervix-Schleim im Gebärmutterhals produziert, dessen Aufgabe es u.a. ist, die Spermien zu nähren und sie in ihrer Reise zum befruchtungsfähigen Ei zu unterstützen.

Zu wenig Östrogen hat sowohl bei Frauen als auch bei Männern noch eine andere Wirkung, die Euren Wunsch nach einem Baby sabotiert: ein Östrogenmangel verringert die Libido. Interessanterweise steckt ein Hinweis darauf bereits im Wort „Östrogen“, das sich aus zwei altgriechischen und lateinischen Wörtern zusammensetzt und  wörtlich mit  „Leidenschaft erzeugend“ übersetzt werden kann. Die Lust auf Sex wird demnach durch das Östrogen befeuert. Es sorgt auch für feuchte Schleimhäute und damit eine feuchte Vagina.

Was sind nun die Gründe für einen Östrogenmangel bei Dir als Frau?

Abgesehen von Erkrankungen kann eine Ursache sein, dass Du jahrelang durch die Pille die körpereigene Östrogenproduktion unterdrückt hast und so Dein Körper erst wieder lernen muss, selbst Östrogen herzustellen. Auch ein zu geringes Körpergewicht, extreme sportliche Betätigung oder Stress kann zu einem Mangel führen.

Wie schon betont ist natürlich wichtig, die Situation näher zu beleuchten, Ursache zu klären und dann mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin über die Therapiemöglichkeit zu sprechen.

Auf natürlichem Weg kannst Du zusätzlich Deinen Körper unterstützen, die Östrogenproduktion wieder anzukurbeln.

Dabei hilft Dir:

  • Körperliche, geistige und seelische Entspannung
  • Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit Phytoöstrogenen
  • Gewichtsnormalisierung
  • Phytotherapie (z.B. Mönchspfeffer, Frauenmantel, Rotklee, Hopfen o.ä.)

Als kleiner Praxistipp:

Phytoöstrogene sind Pflanzenstoffe, die eine östrogenähnliche Wirkung im Körper haben bzw. Deine körpereigene Östrogenproduktion ankurbeln. Das kann Dich bei einem Östrogenmangel super unterstützen. Bespreche das Ganze aber vorab mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin, damit die vermehrte Aufnahme der Phytoöstrogene in Deine sonstige Therapie einkalkuliert werden kann.

Besonders phytoöstrogenhaltig sind folgende Lebensmittel und Pflanzen:
Sojabohnen, Tofu, Bohnen, Kichererbsen, Leinsamen, Kürbiskerne, Brokkoli, Oliven, Hopfen (z.B. alkoholfreies Bier), Rotklee

Mein Tipp:
Verwende v.a. in der ersten zyklushälfte bis zu Deinem Eisprung mehr dieser Lebensmittel und ergänze Dein Essen, wenn Du möchtest, mit alkoholfreiem Bier oder einem Hopfentee. Diesen kannst Du in der Apotheke kaufen und Dich auch hinsichtlich der Dosierung beraten lassen.

Für Dich als Mann ist ein zu viel an Phytoöstrogenen nicht sinnvoll. Daher solltest Du diese Lebensmittel eher seltener zu Dir nehmen und demnach auch nicht zu viel Bier trinken.
Im Alltag könntet Ihr somit ein gemeinsames Essen kochen, doch kannst Du Dir als Frau noch einen Tofu extra in die Pfanne schmeißen oder ein paar Leinsamen über Dein Essen streuen. So müsst Ihr keine unterschiedlichen Essen zubereiten.